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Geschichtliches


Vor tausend Jahren fast gewann ein Herrengeschlecht aus dem Raum um Hecklingen an der Bode das Saaleland bei Plötzkau. Es waren die Edlen von Kakelingen (wüst bei Hecklingen). Sie stiegen auf zu mächtiger Herrschaft und nannten sich bald "Grafen von Plötzkau". Bernhard I. soll ab 1069 diesen Titel geführt haben.


Auch eine feste Burg erbauten sie auf erhöhtem Uferfels am Westrand der Saale. Eine erste Erwähnung wird dem Jahre 1049 zugeschrieben. Doch der Glanz der Grafen von Plötzkau war nur von kurzer Dauer. Nach einer geheimnisvollen Sage soll es das zauberkundige Volk der Zwerge gewesen sein, dass dem Grafengeschlecht den zeitigen Untergang voraussagte. Er trat ein mit dem Tod des Grafen Konrad II. im Jahren 1132 und dem seines Bruders und Nachfolgers Bernhard II. nur fünfzehn Jahre später 1147. Auch die Burg erlitt Drangsal. Sie wurde 1139 zerstört, aber bald wieder erneuert. Die Askanier gewannen die Feste, nutzten sie aber kaum. Manch edlen Herren sahen die Mauern. Im Jahre 1435 erfolgte dann die klare Zuordnung der Burg zum Besitztum der anhaltischen Fürsten.

Fürst Bernhard (1540 - 1570) leitete den Umbau der mittelalterlichen Burg zum Wohnschloss ein. Die Baumaßnahmen erstreckten sich von 1566 bis 1573. In den Jahren 1611 - 1655 war das Schloss die Residenz des souveränen Fürstentums Anhalt-Plötzkau. Die ab 1566 geschaffenen Bauformen haben sich im wesentlichen bis heute erhalten.


Das Fürstentum Anhalt-Plötzkau


Dem Fürsten Joachim Ernst (gestorben 1586) muss das Schicksal überaus wohlwollend gewesen sein, konnte er doch alle Landesteile Anhalts in einer Hand vereinen. Seine fünf Söhne hingegen mussten wieder teilen, wenn alle herrschen wollten. Das wollten sie, doch die Teilung vollzog sich sich gütlich. Im Jahre 1603 wurden vier anhaltische Fürstentümer geschaffen. Einer der fünf Erben verzichtete auf eine Herrschaft, es war August von Anhalt. Er erhielt eine Abfindung von 300.000 Talern. Die Harmonie der Brüder zerfiel, als August unakzeptable Heiratspläne offenbarte und eine Finanzüberprüfung eine erhebliche Schuldenlast beim ihm feststellte. August hielt dagegen durch die Nachforderung eines Anspruchs auf eigene Herrschaft. Nach zähen Verhandlungen überließ Christian I. als Fürst von Anhalt-Bernburg gegen die Kaufsumme von 100.000 Talern seinem Bruder August das Amt Plötzkau. August zog 1611 in den Ort und errichtete dort das souveräne reichsunmittelbare Fürstentum Anhalt-Plötzkau. Plötzkau wurde damit zur Residenz und konnte sich mit Glorie fürstlicher Hofhaltung umgeben. Ganze Scharen von Bediensteten füllten den Ort. 1623 erhielt Plötzkau eine Schar Lehensreiter und 20 Kriegsknechte. Damit besaß das Fürstentum einen eigene Armee.


 

Augustus von Anhalt-Plötzkau regierte in seinem Ländchen als absoluter Herrscher. Er regelte die Verwaltung, prägte Münzen, belehnte die Untertanen, hielt Gericht über Leben und Tod. Was er beherrschte waren 40 Quadratkilometer Land mit 2.000 Bewohnern in den Ortschaften Plötzkau, Großwirschleben, Bründel, Bullenstedt, Osmarsleben, Aderstedt und dem halben Dorfe Gröna. August wohnte und residierte auf Schloss Plötzkau, wo ihm seine Gemahlin Sibylla, geborene Gräfin von Solms-Laubach, acht Kinder schenkte. Als August 1653 starb, traten seine drei Söhne die Nachfolge in Plötzkau an.

 

Im Jahre 1665 starb die Linie Anhalt-Köthen aus. Den Fürsten von Plötzkau fiel, auf Grund lang bestehender Festlegungen, die Herrschaft in Köthen zu. Plötzkau wurde Witwensitz, auch für Sophia Eleonore, der Gattin des 1669 in Köthen verstorbenen Fürsten Lebrecht. Dazu residierte die Nebenlinie Harzgerode-Bernburg in Plötzkau, fürstliche Anlagen waren schließlich in hinreichendem Maße vorhanden. Nach deren Erlöschen (1709) fiel Plötzkau als "Amt" an Anhalt-Bernburg zurück. Verblichen waren Glanz und Gloria des Fürstentums Anhalt-Plötzkau.

Fürstliche Herren auf Schloss Plötzkau


Das Schloss zu Plötzkau beherbergte viele hohe Herren in seinen Mauern, Männer von fürstlichen Geblüt. Fürst Bernhard begann 1566 mit dem Schlossbau. Nach seinem Tode 1570 setzte Fürst Joachim Ernst das Werk bis zur Vollendung 1573 fort. Durch die Landesteilung von 1603 wurde Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg Hausherr des Schlosses. Er trat es 1611 an seinen Bruder August ab. August gründete das souveräne Fürstentum Anhalt-Plötzkau und machte das Schloss zu seiner Residenz.


Durch den Tod einiger anhaltischer Herrscher fielen dem Fürsten August Vormundschafts- und Senioratsrechte zu. Damit rückte Schloss Plötzkau in den Mittelpunkt anhaltischer Diplomatie in der schweren Zeit des 30jährigen Krieges.

Unter Augusts acht Kindern gab es drei Söhne, die Prinzen Ernst Gottlieb (1620-1654), Lebrecht (1622-1669) und Emanuel (1631-1670). Sie herrschten gemeinsam nach Augusts Tod 1653 in Plötzkau. Die Linie Anhalt-Köthen starb 1665 aus. Lebrecht und Emanuel übernahmen dort die Macht. Das Fürstentum Anhalt-Plötzkau erlosch damit nach 54jährigem Bestehen.

Auf dem Schloss wurde nun die Linie Harzgerode-Bernburg mit dem Fürsten Friedrich und Wilhelm präsent. Nach Wilhelms Ableben 1709 fiel das Schloss an die Bernburger Fürsten. Victor Friedrich residierte ab 1715 einige Zeit auf Schloss Plötzkau. Er ließ offenbar noch Bauarbeiten ausführen. Die Initialen "VF" an der Stuckdecke des Fürstensaales weisen daraufhin. Danach scheint Schloss Plötzkau als Herrschaftssitz nicht mehr von Bedeutung gewesen zu sein.


Quelle: Broschüre "Schloss Plötzkau - In Sage und Historie"