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Geschichten und Sagen um das Schloss Plötzkau
 

Der Nickertsumpf

Zwischen den Flussarmen an der Lösewitzer Laube lag ein gefürchtetes Sumpfgebiet. Diese morastige Zone nannte das Volk "Nickertsumpf". Niemand traute sich hier so recht vorbei. Hier hauste in dieser bodenlosen Tiefe der Nickert, der Flussgott der Saale. Immer wieder wurden Opfer vom Wassergeist gefordert. Menschen ertranken in der Saale oder versanken im Morast. Um den Nickert versöhnlich zu stimmen wurden ihm Gaben dargebracht. Er zeigte sich dann milde und half den Menschen. Doch wer wusste schon wie der Nicken gelaunt war? Schien der Flussgott unzufrieden, gab es wieder ein Menschenopfer im Wasser. Die Menschen wollten dann auf der Hut sein und warnten sich gegenseitig.

 

Die Geschichte von der Raubburg Pfuhle

Im Busch von Pfuhle stand einst eine Burg, geheimnisvoll und unbezwingbar von Wasserläufen umgeben. Sie wurde zur Raubburg. Das Land stöhnte unter den Beutezügen derer auf Pfuhle. Der Graf von Plötzkau hätte gern das Raubnest ausgehoben. Doch er fand die Mittel nicht. So blieb eine schöne junge Kaufmannstochter gefangen auf Pfuhle und wurde, betört durch einen Liebestrank, zur Buhlin des Burgherrn. Ein strenger Winter zog heran. Die kluge Tochter des Saalemüllers von Alsleben riet dem Grafen, jetzt zu handeln. Der Frost hatte alle Wasserläufe zu Eis erstarren lassen. Die junge Müllerin war die Geliebte des Ritters auf Pfuhle gewesen. Nun aber fühlte sie sich treulos verlassen. Auf Rache sinnend führte sie die Schar des Plötzkauer Grafen zur geheimen Pforte von Pfuhle. Die Raubgesellen unterlagen. Die Burg wurde zerstört. Noch heute kennzeichnen die Reste von Gräben und Wällen im Busch von Pfuhle den Ort des grausigen Geschehens.

 

Der Schellenreitcr

Ein Ritter von Alsleben wurde mit der Bauaufsicht betraut, als auf den Umrissen der alten Burg am Westufer der Saale das neue Schloss entstand. Mit gewaltigem Eifer stürzte sich der Edelmann in diese Aufgabe. Die Bauleute fühlten sich aber bald drangsaliert. Zu langsam ging dem Ritter die Arbeit voran. Er bestrafte die angeblich Säumigen über alle Gebühr. Sie wurden mit der Zeit mutlos und viele liefen davon. Der Ritter besaß aber eine Schwester, deren Klugheit hoch gelobt wurde. Sie beruhigte den Bauherren, hielt ihm vom Schlosse fern, indem sie kleine Schellen an seine Kleidung nähte. Mit Glöckchen wurde auch das Zaumzeug seines Rosses bestückt. Der Ritter hielt wenig davon. Durch seine Abwesenheit war auf der Baustelle wieder Besonnenheit eingekehrt. Von weitem hörte man jetzt schon den Ritter, wenn er angaloppiert kam. "Hört, da kommt der Schellenreiter! Auf ihr Bauleut', hurtig weiter!" Über alle Maßen zufrieden war jetzt der Bauherr, da er nur noch emsig schaffende Handwerker traf. Bald war das schöne Schloss vollendet.

 
Die spukende Nonne

Bei Aderstedt dicht am Auenwald soll früher ein Kloster gestanden haben. Wenn das stimmt, ging es unter, ohne Spuren zu hinterlassen. Ein unheimlicher Geist allerdings, eine Spukgestalt, beunruhigte noch lange Zeit die Menschen. Wer von Plötzkau nach Aderstedt musste, ging bei Tageslicht. Denn nachts war es bei der rätselhaften Klosterstätte nicht geheuer. Aus dem Dunkel des Waldes nahte sie, die spukende Nonne. Unter Schreien und Kreischen sprang sie dem Wanderer auf den Rücken und peitschte ihn durch die Nacht. In panischem Schrecken jagte der Arme dahin, erdrückt beinahe von der unheimlichen Last. Erst wenn das Klostergelände hinter ihm lag, löste sich der Bann und der Spuk war zu Ende. Diese Spukgestalt soll der ruhelose Geist jener schönen jungen Kaufmannstochter gewesen sein, die auf Burg Pfuhle gefangen saß. Als die Burg in Trümmer sank, verwirrte sich ihr Verstand und sie floh davon. Der Graf von Plötzkau nahm sie auf und wollte sie gesund pflegen lassen. War es ihre verlockende Erscheinung? War es die Aussicht auf Lösegeld? Die schöne Kaufmannstochter blieb nun auf Burg Plötzkau eingesperrt, denn der Graf gab sie nicht zurück. Der Zustand der Unglücklichen verschlimmerte sich jedoch immer mehr. Der Graf hat sie wohl dann ins Kloster gebracht, wo sie nach kurzer Zeit verstarb. Der gequälte Geist des armen Mädchens allerdings fand im Grabe keine Ruhe Lange Zeit noch irrte er als Spukerscheinung in den Wäldern bei Plötzkau umher.

 

Vom "chymischen" Golde

Fürst August hatte sich hingebungsvoll mit Chemie und Astrologie befasst, bevor er Herrscher über Plötzkau wurde. Reichen Beifall zollte ihm dafür die Fachwelt. Im späteren Prinzenhaus ließ August bald nach seinem Machtantritt eine Münzstätte einrichten. Der Fürst prägte eigenes Geld. Zur Golderzeugung führte er auch Experimente aus. Nach einiger Zeit kam die Mär auf, ihm sei die Herstellung von Münzen aus "chymischen" Gold gelungen. Aus unedlen Stoffen Gold zu machen, war für August und seine Helfer ein großer Traum der Alchimisten in Erfüllung gegangen. Es bleibt Geheimnis der Geschichte, wie das gelang. Mit seinem spektakulären Wurf scheint Fürst August aber keine Reichtümer geschaffen zu haben. Die Finanzlage seines Ländleins blieb prekär, hinterließ er doch bei seinem Tod im Jahre 1653 die Schuldenlast von 500 000 Talern. Mit unausrottbarer Hartnäckigkeit hielt sich die Legende von Augusts Versuchen und dem chymischen Gold aus Plötzkau. In Plötzkau wurde im Jahre 1620 ein Dreidukatstück geprägt, dass in Bild und Wort noch immer Rätsel aufgibt. Fürst August nahm die Lösung dieser Philosophie offenbar mit ins Grab.